Junge Ehrenamtliche gewinnen: Wie ein Pflegeheim neue Freiwillige für den Alltag findet
Junge Ehrenamtliche gewinnen Pflegeeinrichtungen heute nur noch selten über Telefonlisten. Im CBT-Wohnhaus Opladen in Leverkusen organisiert ein Pflegeheim sein Ehrenamt seit einem halben Jahr über die Nyby-App. Aufgaben werden als Posts sichtbar, Ehrenamtliche wählen die Termine, die in ihren Alltag passen. Heute engagieren sich dort 30 bis 40 Menschen über die App, einige davon erst neu dazugekommen.
Das erfahren Sie hier
- Warum Hilfsbereitschaft im Quartier oft an der Organisation scheitert, nicht am guten Willen.
- Wie Sie als Ehrenamtskoordination oder Einrichtungsleitung mit einer App junge Ehrenamtliche gewinnen.
- Was sich konkret ändert, wenn das Ehrenamt von Telefonliste auf Nyby umzieht.
- Wie Nyby Ihr Pflegeteam entlastet, ohne dass jemand ein schlechtes Gewissen haben muss.
- Belege aus Essen, Kevelaer, und Leverkusen, plus die Erfahrung aus über 70 Kommunen und Einrichtungen in Norwegen.
Warum fehlen Pflegeeinrichtungen junge Ehrenamtliche?
Die Hilfsbereitschaft ist da, die Organisation im Alltag scheitert. Viele Menschen würden gern helfen, finden sich aber nicht in festen wöchentlichen Verpflichtungen wieder.
Telefonlisten und E-Mail-Verteiler erreichen vor allem die, die ohnehin schon dabei sind. Jüngere Menschen mit vollem Kalender bleiben außen vor, und Wünsche der Bewohner*innen bleiben unerfüllt.
Im Wohnhaus Opladen in Leverkusen leben 165 Bewohner*innen, betreut von über 90 Mitarbeitenden. Ehrenamtskoordinator Heiko Schuffenhauer sagt offen: „Wir werden natürlich trotzdem immer noch Bedarf haben für mehr Unterstützung."
Das Problem liegt selten beim Engagement, sondern daran, dass Angebote nicht sichtbar sind und Mitarbeit lange feste Bindung bedeutete.
Angela Lohmann, Ehrenamtskoordinatorin, Katholische Pflegehilfe e.V. (Essen)Es sind deutlich jüngere Menschen, die ganz klar sagen: Ich habe einen ausgefüllten Alltag, aber auch ich möchte ehrenamtlich tätig sein.
Wie können Sie mit einer App junge Ehrenamtliche gewinnen?
Sie machen die Aufgaben sichtbar und überlassen den Ehrenamtlichen die Wahl.
Über die Nyby-App stellt Ihr Team konkrete Anfragen ein, zum Beispiel für einen Mitsingen-Nachmittag, eine Arztbegleitung oder einen Spaziergang. Registrierte Ehrenamtliche sehen diese Anfragen auf ihrem Smartphone und melden sich, wenn es zeitlich passt. Passt es nicht, ist keine Reaktion nötig.
Die App funktioniert wie ein vertrautes soziales Netzwerk: Auf der Startseite erscheint jedes Gesuch als Posting mit Bild, Datum und kurzer Beschreibung. Ehrenamtliche scrollen durch und treten den Angeboten bei, auf die sie Lust haben.
Heidi Fehrer, die beim wöchentlichen Mitsingen-Nachmittag in Opladen hilft, beschreibt Nyby als deutlich einfacher als die frühere Organisation über Telefon und E-Mail.
Diese Flexibilität erreicht genau die Menschen, die vorher fehlten: In Essen wuchs die Zahl der Freiwilligen in vier Monaten um 30 auf insgesamt 35, davon 40 Prozent unter 40 Jahre.
Heidi Fehrer, EhrenamtlerinVorher habe ich die ganzen Angebote gar nicht so richtig wahrnehmen können, und jetzt alles auf dem Home-Bildschirm direkt zu haben, ist natürlich viel einfacher.
Früher Telefonliste, heute Nyby: was sich konkret ändert
Der Unterschied lässt sich an fünf Punkten festmachen.
Früher: feste wöchentliche Bindung. Wer mithelfen wollte, musste sich auf einen wiederkehrenden Termin festlegen. Das passte für viele Berufstätige und jüngere Menschen nicht. Mit Nyby: Termine nach eigenem Kalender. Ehrenamtliche suchen sich die Einsätze aus, die in ihr Leben passen, einmalig oder regelmäßig.
Früher: schlechtes Gewissen beim Absagen. Eine Anfrage am Telefon abzulehnen fühlt sich unangenehm an, viele sagen dann lieber ganz ab. Mit Nyby: kein Absage-Druck. Wer keine Zeit hat, reagiert einfach nicht. Niemand muss „nein" sagen, niemand fühlt sich schlecht.
Früher: Organisation lastet auf dem Pflegeteam. Anrufe, Listen und Nachhaken kosten Zeit, die für Pflege fehlt. Mit Nyby: Aufgaben füllen sich sichtbar. Das Team stellt ein Gesuch ein, die passenden Menschen melden sich selbst.
Früher: Angebote gehen unter. In E-Mails und auf Listen verschwinden Gesuche, niemand behält den Überblick. Mit Nyby: alles auf einen Blick. Jedes Angebot erscheint als Post auf der Startseite, mit Datum und allen Details.
Früher: jüngere Menschen kaum erreichbar. Klassische Wege sprechen vor allem Ehrenamtliche im Rentenalter an. Mit Nyby: neue Gesichter kommen dazu. In Essen sind 40 Prozent der Aktiven unter 40, in Opladen liegt die Zielgruppe bei 18 bis 45 Jahren.
Heiko Schuffenhauer, Ehrenamtskoordinator, CBT-Wohnhaus Opladen (Leverkusen)„Es geht ja auch um das soziale Gefüge und das Miteinander in der Gesellschaft. Und das Engagement ist eigentlich, muss man sagen, unbezahlbar."
Wie entlastet Nyby Ihr Pflegeteam?
Nyby nimmt Ihrem Team die nicht medizinischen Aufgaben ab und schafft so Zeit für direkte Zuwendung. Spaziergänge, Vorlesen, Besuche oder Begleitungen zum Arzt wandern dorthin, wo Zeit und Motivation vorhanden sind: zu den Ehrenamtlichen. Ihr Pflegepersonal kann sich auf die Pflege konzentrieren, ohne ein schlechtes Gewissen, weil das alltägliche Wohltun liegen bleibt.
Für die Ehrenamtlichen ist das keine Einbahnstraße: Im Essener Seniorenzentrum sind aus der Alltagshilfe neue Projekte entstanden, etwa ein Sing- und Musizierkreis und eine Holzarbeiten-Gruppe.
Wie bleibt die Sicherheit der Bewohner*innen gewahrt?
Flexibilität heißt nicht, dass jede*r sofort loslegt. Wer sich neu anmeldet, wird vor dem ersten Einsatz vom Pflegeheim geprüft. In Opladen führt Heiko Schuffenhauer dafür ein persönliches Gespräch und fragt nach den Wünschen der Interessierten, statt einen festen Ehrenamt-Plan vorzugeben. Vor dem Einsatz legen neue Ehrenamtliche zudem ein Führungszeugnis vor.
Heiko SchuffenhauerWir schreiben ja nicht den Ehrenamt-Plan vor, sondern schauen, dass wir denjenigen so einsetzen, wie er das gerne möchte.
Funktioniert das auch über ein einzelnes Haus hinaus?
Ja. Nyby kommt aus Norwegen, wo über 70 Kommunen und Einrichtungen die App nutzen. In Deutschland setzte die Katholische Pflegehilfe mit dem Seniorenzentrum St. Martin in Essen als erstes Haus auf Nyby, mit dem beschriebenen Wachstum von 30 neuen Ehrenamtlichen in vier Monaten. In Leverkusen organisieren sich nach einem halben Jahr 30 bis 40 Menschen über die App, und weitere Häuser sollen folgen.
Für Heiko Schuffenhauer geht der Nutzen über die reine Organisation hinaus. Ihm zählt auch das soziale Miteinander, und das ehrenamtliche Engagement hält er für unbezahlbar. Für die Ehrenamtlichen ist die App kostenlos, das Pflegeheim in Opladen zahlt dafür einen kleinen monatlichen Beitrag für das Projektmanagement.
Ihr nächster Schritt
Sie möchten wissen, wie sich Ehrenamt in Ihrer Einrichtung mit Nyby organisieren lässt? Buchen Sie ein unverbindliches Erstgespräch, in dem wir gemeinsam auf Ihre Situation schauen. Kurzes Kennenlerngespräch vereinbaren.
Häufige Fragen
Wie gewinnt man junge Ehrenamtliche für die Pflege?
Junge Menschen engagieren sich, wenn das Ehrenamt in ihren Alltag passt. Statt fester wöchentlicher Termine bietet die Nyby-App einzelne, sichtbare Aufgaben, für die sich Ehrenamtliche spontan melden. In Essen waren nach vier Monaten 40 Prozent der neuen Freiwilligen unter 40 Jahre alt.
Muss man sich mit Nyby fest verpflichten?
Nein. Ehrenamtliche wählen selbst, welche Einsätze sie übernehmen, einmalig oder regelmäßig. Wer keine Zeit hat, reagiert einfach nicht auf eine Anfrage. Diese Freiwilligkeit ohne Absage-Druck spricht besonders Menschen mit vollem Kalender an.
Entlastet eine Ehrenamts-App wirklich das Pflegeteam?
Ja. Ihr Team stellt Aufgaben wie Begleitungen, Besuche oder Spaziergänge in die App, und Ehrenamtliche übernehmen sie. So bleibt mehr Zeit für die Pflege selbst, und nicht medizinische Aufgaben bleiben nicht länger an Fachkräften hängen.
Wie wird die Sicherheit der Bewohner*innen sichergestellt?
Neue Ehrenamtliche werden vor dem ersten Einsatz geprüft. Die Einrichtung führt ein persönliches Gespräch und lässt sich ein Führungszeugnis vorlegen. Erst danach übernimmt jemand Aufgaben mit den Bewohner*innen.
Was kostet Nyby?
Für Ehrenamtliche ist die App kostenlos. Die Einrichtung trägt die Kosten. Das Wohnhaus Opladen in Leverkusen zahlt dafür einen kleinen monatlichen Beitrag für das Projektmanagement.
Quelle
Über Nyby berichtete der WDR 5 in „Neugier genügt" mit einem Beitrag über das CBT-Wohnhaus Opladen in Leverkusen. Den Beitrag können Sie beim WDR anhören: WDR-Beitrag in der ARD-Audiothek (verfügbar bis 16. Juni 2027). Weitere Zahlen stammen aus dem Anwenderbeispiel Seniorenzentrum St. Martin, Essen (Katholische Pflegehilfe).